Haßßte mal ein Steak?

...denn ich möchte es Dir in die Fresse knallen, lieber deutscher Steakfresser, der du mit deinem einfältigen Geschmack die Pest der Kulinarik bist. ##

Text & Foto Von Manfred Klimek

Heute geht es gegen die Steakfresser. Meistens Männer. Männer, das Grundproblem der Welt. Man müsste eine Neutronenbombe konstruieren, die ausschließlich Männer zwischen 18 und 45 Jahren zu Staub verbrennt. Aus Staub bist du, zu Staub sollst du werden. Aber bitte etwas pronto!

Mit einer solchen Kernwaffe, wären auch die meistens Steakfresser hinweggefegt und auf den Schlachthöfen herrschte Ruhe. Ja! Es geht gegen die Steakfresser! Was schauen sie so dämlich herüber? Fühlen Sie sich angesprochen? Ja? Fein! Na dann gehen Sie schon mal in Deckung! Denn sie dummer Steakfresser kriegen von mir jetzt eins reingesemmelt, dass ihnen Hören und Sehen vergeht. Sie Kretin!

Freilich gab es den Steakfresser schon vorher, aber er wurde über Jahre als das erkannt, was er ist: ein gastronomisch unbelesener Depp.

Der Steakfresser trat das erste Mal vor ungefähr 15 Jahren in Erscheinung. Freilich gab es den Steakfresser schon vorher, aber er wurde über Jahre als das erkannt, was er ist: ein gastronomisch unbelesener Depp. Deswegen sind Steakhäuser-Ketten auch so grässlich hässlich und man kriegt neben schlechten Bier auch nur Marmeladebomben-Weine aus der önologischen Rüstungsindustrie der Neuen Welt - gerechte Strafe für die geistig Obdachlosen, die dort einkehren.

Aber ausgerechnet mit dem Auftreten der Gentrifizierungs-Bobos wurde Steakfressen auf einmal hip. Nicht dass wir uns falsch verstehen, Herr Steakfresser, gegen ein gutes Stück Fleisch bei Smith & Wolensky oder Peter Lugar ist nichts einzuwenden. Die Amis können das rote Trumm genauso gut zubereiten wie die Argentinier. Steak spricht freilich auch europäisch. Doch selbst in der Toskana wirft man sich nur einmal im Monat ein Fiorentina auf den Grill. Der deutsche Steakfresser hingegen muss täglich Steak essen. Und ist damit der das Delirium dieser Leute beweisende Beweis, die taumelnde Litfaßsäule auf der geschrieben steht, dass die Deutschen leider immer Hunnen bleiben. Auch wenn dieses Land noch so viele Sternelokale aufweisen kann. „Ey Alta, ich willn Steak.“

Vorbei die Zeiten, als man mit einem Steak noch ein Kunstwerk das Agitpropagandisten Klaus Staek meinte. Heute muss ein Fleisch sein. Jeden Tag Fleisch. Und das Fleisch muss rosa sein. Oder bleue. Am besten gleich roh. Da fühlt man sich in die alten Beefater-Jahrzehnte zurückversetzt, als das englische Königshaus seinen Elitesoldaten rohes Fleisch zuwarf, damit der Hass durch den Magen geht und der Blutrunstpegel steigt, wenn die Kämpfer in die Schiffe stiegen, um zum Froschfresser überzusetzen, dem eine vor den Latz zu knallen. Beim Froschfresser isst man freilich auch gerne ein schönes Stück Rindfleisch. Nur nicht täglich, denn die Franzosen haben in Naturkunde besser aufgepasst und wissen deswegen, dass es auch andere Tiere gibt, die man verzehren kann. Sind eben kein Rindviecher, die Froschfresser.

Da können euch, liebe dumme Steakfresser, noch so viele Ärzte erzählen, dass der tägliche Genuss von rotem Fleisch dem Darm die Geschwüre implantiert, wie die NSA die Wanzen in deutschen Parteizentralen. Der dumme Steakfresser frisst weiter und nervt damit auch jene Wirte – etwa die vom Grill-Royal in Berlin – die diesen Boom mit ausgelöst haben. Dort gibt es längst auch Fisch. Und Meerestiere. Nein: Gefressen werden Steaks. Am besten mit Pommes. Die Kartoffelsplitter müssen freilich handgemacht sein, also Artisan-Pommes, sonst kriegen die Steakfresser einen Nervenzusammenbruch.

Wenig nachhaltig jedoch ist es, liebes Steakfresser-Arschloch, dass wegen dir die ganzen Innereien des Tiers zu Schlachtabfällen gemacht werden.

Die Kuh, die für ihr Steak dran glauben musste, lieber Steakfresser-Idiot, die soll freilich handgestreichelt ums Leben gebracht werden. Irgendwo im Einklang mit diesem Zustand namens Natur. Man denkt in Angelegenheiten des Karma ja nachhaltig. Wenig nachhaltig jedoch ist es, liebes Steakfresser-Arschloch, dass wegen dir die ganzen Innereien des Tiers zu Schlachtabfällen gemacht werden. Und längst auch schon Fleischstücke, die nicht als hip gelten.

Der absolute Ausdruck dieser Verkommenheit ist die Solingen-Schleifpostille Beef, die Männern offenbar das Gefühl gibt, in der Küche einen Büffel erlegt zu haben. Ohne Fleisch geht’s bei Beef natürlich nicht. Ohne tumbe Grillanleitungen auch nicht.

Das alles ist falsch, liebes Steakfresser-Kretin. Millionen Tiere aufgezogen, hingeschlachtet, nur damit du dein konfektioniertes Stück Fleisch haben kannst? Geht´s noch? Dafür werden Wälder abgeholzt und Felder zu Futterfelder gemacht, die deine Drecksrinder füttern, lieber Steakfresser. Das Tier kriegt das Beste, die Menschen verhungern. Das nennst du Kultur? Erstick doch an einem Splitter eines zerbrochen T-Bones. Meinen Segen hat das Steak.

Dieser Artikel ist in der ersten, bereits vergriffenen Ausgabe von SCHLUCK - "Identität" erschienen. Weitere Ausgaben sind -> hier erhältlich

Über den Autor
Manfred Klimek

Manfred Klimek

Dr. Jekyll & Mr Hyde. Genie und Wahnsinn in Personalunion.
Ehemaliger Chefredakteur von Schluck.
Der Wiener Manfred Klimek ist Fotograf sowie Autor. Seine Artikel und Kolumnen erschienen bei Die Welt am Sonntag, DIE ZEIT, profil, Brand Eins, VICE und ganz vielen weiteren Medien.

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