Duft

Ausgabe 9
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Riechen Sie an diesem Magazin, wir haben diese Ausgabe von Schluck mit einer Tinte gedruckt, die mit einem Fass La Tâche 2001 von DRC vermischt wurde. Daher der deutlich wahrnehmbare Geruch nach Kirsche, Schokolade und auch Pflaumen, auch etwas Bleistift, vor allem aber Hühnerhintern, weil wir der Tinte vor der Drucklegung des Heftes noch eine Consommé, zubereitet aus den Ärschen von 200 Hühnern hinzugefügt haben, selbstverständlich von Hühnern aus der französischen Bresse.

Die Entstehungsaufwendungen dieser Schluck-Ausgabe waren also wieder einmal beträchtlich, aber für unsere Leser scheuten wir noch nie Mühe. Unsere Art Direction wusch sich zehn Wochen lange nicht die Füße, um diese fünf Minuten in der mit Wein und Urin versetzten Tinte zu baden. Paul und Julia spendeten ihre Sammlung von 300 Flaschen nie zu Ende getrunkener, aber auch nie wirklich entsorgter Liebfrauenmilch-Jeroboams und schütteten deren essigsaure Inhalte in das Amalgam aus Wein und anderem. Alexander Rabl schrieb nicht eher, bevor er seine Hände nicht mit zimmerwarmem Münsterkäse mariniert hatte. Er war der festen Meinung, das Odeur würde sich später durch die gesamte Ausgabe dieser Nummer 9 ziehen.

Empfinden Sie das auch so? Übrigens hatte der La Tâche einen schleichenden Kork. Ist Ihnen aber eh nicht entgangen.
Es geht hier, wie Ihnen Ihre feine Nase sicher schon verraten hat, um die Welt der Düfte, der Parfums, des nasalen und retronasalen Riechens, aber auch des Gestankes. Jürgen Schmücking grub in der schwedischen Erde und Juliane Fischer im Boden des Mostviertels, wir schnüffelten an Käse und Naturweinen, hielten die Nase in die Luft, um die neuesten Trends im Glas, in der Flasche und am Tresen zu erkennen.

Barkoryphäe Reinhard Pohorec mischte Speck in Drinks, um zu sehen, wie sich Fett und Aromen aufeinander einlassen würden. Jürgen Schmücking berichtete aus Tiflis, dem Mekka der Naturweintrinker, wo Schönheit und Hässlichkeit so berückend nahe beieinander liegen. Schluck -Rentner Franz Prieler beschrieb die Angst vor dem Geruchsverlust, und wie er dagegen ankämpft. Nazef Rehruf fotografierte Essen, das uns stinkt, und Alexander Rabl schrieb ein kleines Stinkipedia dazu.

Schluck-Star-Autor Claas Filoxerus arbeitete eineinhalb Jahre am Portrait einer chinesischen Sommelière, die sich eine Hundenase (Mops!) einpflanzen ließ, um beim Riechen die Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen. Freilich waren wir auch abseits des Riechkolbens nicht untätig.

Eva Biringer sah sich in Berlin nach Lokalen um, die von Nicht-Berlinern geführt werden, Stuart Pigott tauchte in die Welt der deutschen Schlösser und Riesling-Steillagen ein, während Anika Mester sich dem Phänomen Lambrusco widmete. Kein Scherz! Wenn es ums Trinken geht, sind wir nie zu Späßen aufgelegt.

Öffnen Sie Nase, aber auch Ohren und Augen, und jetzt bitte gleich eine gute Flasche auf das Wohl unserer Autoren!

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