Schluck - Naturwein - Ausgabe 2

Sie halten die zweite Ausgabe von schluck in den Händen. Wollen Sie uns nicht gratulieren? Zum Beispiel, dass wir es geschafft haben, fast alle Hefte zu verkaufen und trotzdem pleite sind. Nun, schluck ist eben kein Medienprodukt der üblichen Art; schluck wurde von Julia Klüber, Paul Truszkowski und Christian Schärmer ins Leben gerufen, weil die drei dachten, sie brauchen eine Zeitschrift, die niemand macht. Noch dazu eine Weinzeitschrift, also die Zeitschrift einer sehr speziellen Welt. Und weil kein Verlag eine Weinzeitschrift verlegt, die eine Ergänzung zu den vielen, durchaus enthusiastischen Weinblogs ist, dann machen die drei ihre Weinzeitschrift eben alleine. Ohne Großverlag. Und für sich. Und für ein paar Freunde. Es sind dann 10 686 Freunde geworden – eine Kleinstadt.

Der Chefredakteur dieses Heftes erklärt gerne, wie man sich das vorstellen kann. Also was das heißt, das Zeitschriftenmachen und Artikelverfassen. Im Falle von schluck müssen sich die Autoren vorstellen, ihre Geschichte einer Menge von 10 686 Menschen vorzulesen. Auf einem Podest. Mit Mikro und Lautsprecher. Ruhe bitte!

Das ist das Schöne am Zeitschriftenmachen: Man erreicht jene Leute, die noch lesen wollen. Und schauen. Und aufmerksam sein. Man erreicht die Klugen (sagte schon der kluge Alexander Kluge). Eine Zeitschrift herausgeben, gestalten, sie zu drucken und dann an die Leute zu bringen, ist in diesen Tagen auch ein Zeichen von Auflehnung gegen die schreiende Meute, die von Social Media verheert Konflikte sucht. Das alles war noch nicht so, als das erste schluck-Heft erschien.

Noch mehr Freude, als eine Zeitschrift zu machen, die gekauft wird, weil sie fehlte, ist von anderen Medien bemerkt zu werden. Bei schluck war es die FAZ, die unsere Arbeit lobte. Wir bedanken uns für das Lob, indem wir den Autor des Lobes in diesem Heft eine große Geschichte schreiben lassen. Es soll ja ein bisschen Gerede geben. Womit wir schon bei schluck II wären. Und was da so alles drinsteht.

Stuart Pigott, FAZ-Weinkritiker, Rieslingfan, Müllerfreund, Exzentriker (wie alle guten Briten), hat für schluck eine interessante Geschichte aufgetan (Seite 64). Und zwar dort, wo man immer interessante Geschichten auftut: in einer Bar. In einer New Yorker Bar. Und es ist nicht übertrieben, wenn wir sagen, dass nach Pigotts Niederschrift ein Teil der Weingeschichte Amerikas neu geschrieben werden muss. Also eigentlich kann nur der Part mit Jefferson so bleiben, wie er war.
Manfred Klimek, Vorstandsvorsitzender der hier Schreibenden, schreibt über den burgenländischen Winzer Uwe Schiefer, der am Eisenberg ein Weltweingut hingestellt hat, aber müde vom Schulterklopfen ist. Und auch mal über etwas anderes reden will als über Wein. Das Porträt des erfolgreichen Winzers, der manchmal nicht weiß, wie es weitergeht, finden Sie auf Seite 114. Auf Seite 68 lesen Sie die zweite Hasskolumne Klimeks. Und auch, warum sie die letzte ist.

Naturweine sind gerade sehr in Mode. Und ein Gesprächsthema, das nicht selten Aggressionen produziert. Die Redaktion von schluck hat ihren eigenen Blick auf die Szene. Autor Jürgen Schmücking traf an den Hängen des Kaukasus den wilden Winzerclan Georgiens und durfte aus mancher Amphore schöpfen (Seite 36), Bioweinhändler Martin Kössler sagt dem Naturwein ab, auch wenn der verspricht, im Biokleidchen zum Date zu kommen (Seite 63) und Julia Klüber beschäftigt sich mit Pétillant Naturel kurz nur Pét-Nat genannt und sozusagen der Natursekt der Naturweinszene (Seite 54). Und weil man nichts weiß, wenn man nichts trinkt, hat Klüber mit Konsorten ein paar Flaschen Pét-Nat geleert. In Billy Wagners Nobelhart & Schmutzig in Berlin. Wagners Restaurant wird von Friedrich Oswald gleich zum besten Lokal der gesamten Nordic Cuisine erklärt (gemeinsam mit dem Maaemo in Oslo), mit der Oswald einen großen kulinarischen Spaziergang abschließt, der uns die Küchen und ihre Moden erklärt. Und was von der Nordic Cuisine bleiben wird, wenn auch sie zu langweilen beginnt. Oswald hat auch den Winzer Martin Bauer besucht, der das schon klassische Quereinsteiger-Vollaussteiger-Winzerklischee abgibt, aber nichts davon erfüllt (Seite 8).

schluck-Autor Nikolai Antoniadis fuhr in den armen Norden Griechenlands, an die makedonische Weinstraße, und betrank sich dort mit einem Tresterbrand, zu dem man ruhig Schnaps sagen kann, und der so ähnlich heißt, wie dieser marxistische Ministerpräsident, den Schäuble weghaben will. In der Geschichte wird viel gesungen, bitte lesen Sie die nicht am späten Abend, die Nachbarn könnten aufwachen und gegen die Wand klopfen (Seite 90).
Christoph Raffelt kriegt den Part des Erzählers furztrockener Fakten. Aber wenn Sie mit Raffelts seitenlangem Werk durch sind, dann wissen Sie, was im Wein ist. Und was im Wein Bio sein kann. Und was nicht. Aufklärung tut Not. Und wir sind der Notdienst (Seite 42).

Weiters besuchen wir noch das Champagnerhaus Gosset (Seite 18). Das hat der Chefredakteur angeordnet, weil sein Hochzeitschampagner von dort kam. Es soll schlechtere Gründe für eine Geschichte geben. Der Mann, der Klimeks Hochzeitsschampus machte, macht ihn heute immer noch. Weil auch am Craft Beer kein Weg vorbeiführt, fuhr Nina Anika Klotz nach Dänemark, um dort Mikkel Bjorg Bergsø zu treffen, den Star der fast schon riesigen dänischen Craft-Beer-Szene, an der Bergsø wenig gute Haare lässt (Seite 12). Und dann sagt uns Buchautor und „Weinhändler von beachtlicher Größe“ (chinesischer Ausdruck) Gerd Rindchen, was denn die Leute so trinken, die einfach nur guten Wein trinken wollen. Wir ahnen schon: Naturwein ist es nicht (Seite 22).

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